CPU-Schrott richtig sortieren: von Keramik mit Goldcap bis Kunststoff-PGA
Wie wir CPU-Schrott einteilen — von Keramik-Prozessoren mit Goldcap (höchste Klasse) bis Kunststoff-CPUs aus Laptops. Klassen, Beispiele und Sortierempfehlungen für IT-Recycler.
Anders als bei Arbeitsspeicher gibt es bei CPU-Schrott nicht zwei oder drei, sondern eine ganze Reihe von Klassen — und der Edelmetallgehalt unterscheidet sich zwischen Vintage-Keramik-CPUs und modernen Plastik-Prozessoren um ein Vielfaches. Wer hier richtig sortiert, holt deutlich mehr pro Kilogramm heraus.
Drei Hauptgruppen, viele Unterklassen
Im Kern unterscheiden wir drei Gehäusetypen — und innerhalb jedes Typs gibt es Untergruppen, die sich durch Goldinlays, Goldcap-Platte oder Alu-Heatspreader unterscheiden:
- Keramik-CPUs — die höchstwertigen Klassen.
- Slot-Prozessoren — eine eigene Übergangsklasse zwischen Keramik und Plastik.
- Kunststoff-CPUs — der Großteil moderner Prozessoren.
Pro Klasse zahlen wir einen eigenen Kilopreis. Eine Vorsortierung durch uns ist nicht Bestandteil des Ankaufs — gemischtes Material wird zum jeweils niedrigsten Preis abgerechnet.
1. Keramik-CPUs — die wertvollste Gruppe
Prozessoren in einem Keramikgehäuse (typisch beige oder dunkelgrau, rau-matt). Sie enthalten Gold-Inlays auf der Oberfläche, vergoldete Bonddrähte im Inneren und in der Regel vergoldete Pins. Innerhalb der Keramik-Gruppe gibt es sieben Unterklassen, weil sich der Goldanteil je nach Bauform massiv unterscheidet:
| Unterklasse | Typische Vertreter |
|---|---|
| Keramik mit Goldcap | Intel Pentium Pro (Sockel 8), frühe Xeon — vergoldete Platte auf der Oberseite. |
| Keramik Intel DX-Serie | Intel 286, 386DX, 486DX — Gold-Inlays auf beiden Seiten, vergoldete Pins. |
| Keramik Pentium I / AMD | Intel Pentium 60–200 MHz (Sockel 4/5/7) und AMD K5 — Keramik ohne Heatspreader, mit vergoldeten Pins. |
| Keramik AMD ohne Alu | AMD Athlon/Duron (Sockel A/462) mit kleinem Keramikrand und ohne Heatspreader. |
| Keramik mit Alucap | AMD K6, K6-2 und K6-III (Super Socket 7) — keramisches Substrat mit silberfarbenem Aluminium-Heatspreader auf der Oberseite. Optisch sofort durch das Alu erkennbar (im Gegensatz zur goldfarbenen Goldcap). |
| Keramik minderwertig | Keramik-CPUs ohne Goldcap und ohne sichtbare Gold-Inlays, stark abgenutzt oder mit fehlenden Pins. |
| Keramik ICs (keine CPUs) | Integrierte Schaltkreise aus Industrie- und Militärelektronik mit Goldinlays und Goldpins. |
Visuelle Erkennung: Keramik fühlt sich kühler an als Kunststoff, klingt beim Anstoßen heller und ist nicht flexibel. Goldcap-CPUs erkennen Sie an der typischen rechteckigen vergoldeten Platte auf der Oberseite.
2. Slot-Prozessoren
Die Übergangsgeneration zwischen reiner Keramik-Bauweise und modernem Sockel-Format: Prozessoren im Kantensteck-Format aus den späten 90ern und frühen 2000ern. Typische Vertreter sind Intel Pentium II/III (Slot 1) und AMD Athlon (Slot A).
Für die Bewertung wichtig: nur die Platine ist von Interesse — also der CPU-Kern selbst mit den vergoldeten Slot-Kontakten und ggf. den L2-Cache-Chips. Das schwarze Plastikgehäuse und der Kühlkörper, in dem die Cartridge ursprünglich montiert war, gehören nicht dazu und müssen vor der Anlieferung entfernt werden.
3. Kunststoff-CPUs
Der mit Abstand größte Anteil im modernen CPU-Schrott. Prozessoren im Kunststoff-Substrat — meist grün, braun oder schwarz. Gold steckt hier vor allem in den Pins und Bonddrähten; deutlich weniger als bei Keramik. Auch hier mehrere Unterklassen:
| Unterklasse | Typische Vertreter |
|---|---|
| Kunststoff schwarz (BGA/PGA) | Ältere Embedded-Prozessoren, Chipset-CPUs, EPROM-Chips mit vergoldeten Pins — höherer Goldgehalt trotz Plastik. |
| Kunststoff grün/braun aus PC | AMD Athlon 64 / Sempron (Sockel 754/939/AM2), Intel Pentium 4 (Sockel 478) und vergleichbare Desktop-Prozessoren. |
| Kunststoff grün/braun aus Laptops | Mobile-CPUs aus Notebooks — meist BGA-Bauform, eigene Klasse wegen abweichendem Aufbau. |
| Sockel 775 / kleinere Intel-Generationen | Intel LGA 775 — Pentium 4, Pentium D, Celeron D, Pentium Dual-Core, Core 2 Duo/Quad. Eine eigene Klasse aufgrund der hohen Stückzahlen im Umlauf. |
| Kunststoff mit Pins & Cu-Heatspreader (PGA) | PGA-CPUs mit aufgelötetem Kupfer-Heatspreader (IHS) auf der Oberseite — z. B. AMD Athlon 64, Sempron, Phenom (Sockel 754/939/AM2/AM3), Intel Pentium 4 (Sockel 478). |
Wichtig: was beim Sortieren entfernt werden muss — und was nicht
Bei CPU-Schrott geht es nur um die Prozessoren selbst — Fremdmaterial verdünnt den Edelmetallanteil pro Kilogramm und führt zur Einstufung in eine niedrigere Klasse. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen aufgesetzten Fremdteilen und aufgelöteten Bauteilen, die zur CPU gehören:
Vor der Anlieferung entfernen: separate Kühlkörper (aus dem CPU-Kühler), Lüfter, Wärmeleitpaste-Reste, Slot-Cartridgegehäuse bei Slot-Prozessoren, Eisen-/Stahlteile, Verschraubungen.
Nicht entfernen — die CPU bleibt wie sie ist: der integrierte Heatspreader (IHS) auf der CPU — also die metallische Kupfer- oder Nickel-Abdeckung, die direkt auf dem Prozessor-Substrat aufgelötet ist. „Skalpieren" (Entfernen des IHS) ist nicht erforderlich und auch nicht erwünscht — wir kaufen diese CPUs so, wie sie sind.
Genau für diesen Fall existiert die eigene Klasse „Kunststoff-PGA-Prozessoren mit Kupferdeckel" — der Kupfer-Anteil ist im Kilopreis berücksichtigt.
Häufige Fehler beim Sortieren
- Slot-Prozessoren komplett in der Cartridge abgeben. Das schwarze Plastikgehäuse und der Aluminium-Halter müssen entfernt werden — übrig bleibt nur die Platine mit den Chips und den vergoldeten Slot-Kontakten.
- Keramik mit Alucap als Goldcap deklarieren. Alucap = silberfarbene Aluminium-Abdeckung. Goldcap = goldfarbene vergoldete Platte. Im Tageslicht ist der Unterschied eindeutig.
- Mobile-CPUs aus Laptops mit Desktop-CPUs mischen. Notebook-CPUs (häufig BGA, also fest verlötet) haben einen abweichenden Aufbau und gehören in eine eigene Position.
- Den IHS entfernen („skalpieren") wollen. Nicht nötig. Die Kupfer-/Nickel-Abdeckung gehört bei modernen PGA-CPUs zur Bewertungsklasse — wir kaufen die Prozessoren so, wie sie aus dem Sockel kommen.
Spezialfall: Keramik- und Kunststoff-ICs
Neben den eigentlichen Prozessoren kaufen wir auch integrierte Schaltkreise (ICs) — etwa aus Industrie-, Militär- oder Telekommunikationselektronik. Wir führen sie als eigene Positionen „Vergoldete Keramik-ICs (Inlays & Pins)" sowie „Gemischte ICs (Keramik & Kunststoff)". Sortenrein angeliefert lassen sich diese Posten oft besser bewerten als wenn sie mit CPU-Schrott vermischt werden.
Was wir aktuell zahlen
Die tagesaktuellen Kilopreise für alle CPU-Schrott-Klassen finden Sie in unserer Preisliste „Aktuelle Ankaufspreise". Die Preise orientieren sich an den aktuellen Edelmetallnotierungen und werden regelmäßig angepasst.
Wenn Sie regelmäßig größere Mengen CPU-Schrott anbieten, lohnt sich oft eine eigene Preisgruppe statt der allgemeinen Tagespreise. Beschreiben Sie Ihren Bestand in unserer Anfrage-Maske — wir melden uns in der Regel innerhalb eines Werktages mit einer Bewertung zurück.
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